Ellerbek 1588

1588

 

Ellerbek auf der großen Landtafel der Grafschaft Holstein-Schauenburg

 

Hier ein kleiner Ausschnitt aus der ältesten Karte, in die unser Ellerbek eingezeichnet wurde. Graf Adolf XIV. (1582-1601) erteilte dem Maler Daniel Frese den Auftrag, ,,den Anteil der Grafen von Schauenburg im Land zu Holstein in Olie Ferbe" zu malen.

 

Für die umfangreichen Vermessungen und Recherchen zog Frese mit einem Gehilfen drei Jahre durch das Land. Die ausführliche Karte zeigt unter anderem den Ochsenweg und sogar Schlagbäume, Richtstätten, Wind- und Wassermühlen.

Der Graf ordnete an, dass die Karte (mit den beachtlichen Ausmaßen von 4,5 x 5 Metern) ,,da uff Unserem Haus Pinnebergh [1] also verwahrlich hingehängt werde, dass kein Ratten oder Meus dazukommenkönnten. Tatsächlich hat die Karte nie in Pinneberg gehangen. Frese hatte sie in Stadthagen abgeliefert. Heute befindet sie sich im Schloss des Fürsten von Schaumburg-Lippe in Bückeburg. Wer nicht so weit fahren möchte, kann sich auch die Kopie in gleicher Größe im Ratssaal des Pinneberger Rathauses anschauen. 

[1] Die Darstellung des Schlosses entspricht der Realität, es wurde 1472 erbaut und stand am Zusammenfluss von Pinnau und Mühlenau, also im Bereich Mühlenstraße/Koppelstraße/Hochbrücke. Die letzten Ruinen sollen um 1720 entfernt worden sein. Allerdings wurden beim Bahnbau (die Trasse schneidet das Schloßgelände) 1844 noch Fundamentsteine des Schlosses in den Brücken über die Pinnau und die Mühlenau verbaut. 

Ellerbek 1464

1464

 

Die älteste bekannte und erhaltene schriftliche Erwähnung Ellerbeks stammt aus dem Jahr 1464. Es handelt sich hierbei um das „Pinneberg-Hatzburger Einnahme- und Ausgaberegister“ [1]. Hier finden sich im Steuerverzeichnis die Namen der Hofbesitzer und die Höhe der zu entrichtenden Steuern:

 

 Abt_3_Nr_601_Ausschnitt

Ellerbeke

 

Michaelis        (29. September)

Lichtmess       (2. Februar)

Pinxten           (Pfingsten)

 

Marquart                      1 Pfund

Claus Kutenholt           1 Pfund

Warncke                      1 Pfund

Dreyer                         1 Pfund

De olde Kutenholt        8 Schillinge

Rencke Kutenholt         1 Mark.

 

Heinz Langeloh stammt aus Ellerbek vom Kirchenstieg und hat sich lange mit der Höfegeschichte Ellerbeks beschäftigt. Er vermutet, dass es sich bei den ersten 4 „Hofmännern“ mit den hohen Steuerbeträgen wohl um die Oberhäupter von Großfamilien handelt. Rencke und „de olde“ Kutenholt besaßen hingegen offenbar eine eigene gemeinsame Hofstelle in der Hauptstraße 11-13 (nach heutiger Zählung).

Den Hof von Claus Kutenholt lokalisiert Herr Langeloh gegenüber auf der anderen Straßenseite. Der Warncke-Hof befand sich wohl im Bereich Kirchenstieg/Dorfstraße, der Marquard-Hof weiter südlich in der Dorfstraße und der Dreyer-Hof im Bereich Kellerstraße/Hauptstraße.

[1] Landesarchiv Schleswig-Holstein (LAS) Abt. 3 Nr. 601

Ellerbek 1591

1591

 

126 Jahre nach der ältesten Steuerliste finden wir in der des Jahres 1591 bereits 13 Hofstellen, die durch Teilungen und Auflösung der großen Familienverbände entstanden sein werden. Folgende Familiennamen werden genannt: Claus, Cordes, Dreier, Crone Hagenn, Klink, Kutenholt, 2x Ramcke, Schlüter, 2x Timm, 2x Warncke.

Ellerbek 1627

1627 

Ein Soldatenfriedhof aus dem 30-jährigen Krieg in Ellerbek ?

 

Einen Hinweis geben uns die ersten Flurkarten von Ellerbek aus den Jahren 1784 bis 1790. Die einzelnen Grundstücke sind hier mit ihren „Flurnamen“, die damals jeder Einwohner kannte, bezeichnet. [1]
Für ein Flurstück am Ende der heutigen Straße Dubenhorst notierte der Kartograph: „Engelsch Karkhof“.

Im Jahre 1949 schrieb Margret Langeloh (verh. Hanf) in ihrer Hausarbeit „Geschichtliches über Ellerbek“, dass sich früher am Dubenhorst ein Rondell, umgeben von einem Erdwall, befunden hat. [2]
Sie hat die Anlage selber nicht mehr gesehen, berichtet aber:
„Auch der verstorbene Bauer Hinrich Ostermann konnte sich noch sehr gut erinnern, daß ihm sein Großvater erzählte, auf dem Engelschkarkhoff seien englische Soldaten begraben.“

Bei dem Wort Karkhof oder Karkhoff handelt es sich um die Plattdeutsche Bezeichnung für Friedhof (Kirchhof). Engelsch bedeutet Englisch.

Tatsächlich wurde das Pinneberger Schloß im Jahre 1627 von General Tilly persönlich belagert. Als er sich zu nah heran traute, schoss ihm ein Verteidiger ins Bein. Sein Lager soll sich am Damm befunden haben, wo eine der alten Eichen (Kreuzung Damm/Waldstraße) heute den Namen „Tilly-Eiche“ trägt.
Auf dem Schloß Pinneberg war zu dieser Zeit eine schottische Kompanie, im Dienste des Dänischen Königs, stationiert. Sie kapitulierte am 12.09.1627.
Auch unter Tillys Söldnern werden Engländer oder englisch sprachige Soldaten gewesen sein.

Sollen wir spekulieren ?
Könnte der Ursprung der Anlage aus noch älterer Zeit stammen ? Sind es vielleicht die Reste eines Hünengrabes gewesen ?
Ob es nun ein Gefecht in Ellerbek gegeben hat oder ob in Ellerbek einquartierte Soldaten an Krankheiten oder an ihren Verletzungen verstorben sind und hier begraben wurden, wissen wir leider nicht. Wir haben nur die mündliche Überlieferung und den uns überkommenen Flurnamen.

[1] Heute trägt jedes Grundstück eine Nummer. Viele der alten Flurbezeichnungen finden sich jedoch in unseren Straßennamen wieder: Z. B.
Mohr Camp – Moorkampsweg,
Kröencamp – Krönkampsweg oder
Moraz – Moratzentwiete.

[2] Da die Anlage schon vor über 100 Jahren eingeebnet wurde und längst überbaut ist, finden sich leider keine Spuren mehr im Gelände.

Ellerbek 1754

1754

 

same same but different

Bürgermeister und Bauernvogt, das gleiche Amt und doch ganz anders.

 

Unser Bürgermeister stammt heute bekanntlich aus den Reihen der von uns gewählten Gemeindevertreter. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde das Amt des Untervogtes oder Bauernvogtes noch vom Landdrost in Pinneberg besetzt. Dabei war nicht entscheidend, wen die Einwohner wollten, sondern es wurde eine zuverlässige Person aus dem Kreise der im Dorfe ansässigen Bauern ernannt. Schließlich sollte der Bauernvogt, als Unterbeamter für den König, zum Beispiel die Steuern eintreiben, die königlichen Wälder, Moore und Ländereien im Auge behalten, Verbrecher stellen und eine Art Melderegister führen, in dem die besitzlosen Landarbeiter erfasst wurden. Als Entschädigung war er von den Steuern und Abgaben befreit und erhielt meist auch eine Schankkonzession.

Im Landesarchiv in Schleswig (Abt. 112 Nr. 82) findet sich noch eine „Ernennungsurkunde“ des Vogtes Hans Stoldt vom ehemaligen Hof Nr. 13 (heute Dorfstraße 11 bis Kirchenstieg 9) vom 19.07.1754.

Landdrost von Perckentin nahm ihm den Amtseid ab und schrieb seine Pflichten in 15 Punkten nieder, von denen einige hier wiedergegeben werden sollen.

Ihro Königl. Majest. zu Dännemarck Norwegen pp. bestallter Geheimer Rat und Landdrost der Herrschaft Pinnenberg, auch des Pinnenberg und Altonaischen Ober-Appellations-Gerichts-Präsident, und in dero Hertzogtümer Schleswig, Holstein Landrat. Ich, Gebhard Ulrich von Perckentin, Erbherr auf Hohenpritz pp. Ritter, füge hiermit zu wissen, dass nachdem der gewesene Vogt Jochim Stolt zu Ellerbeck seine Dimission [1] erhalten, nunmehr dessen Sohn Hans Stolt zum Vogt dieses Dorfes von mir angenommen worden, er dazu hiermit nach abgelegtem Eide bestellt wird, dergestalt, dass er

            1. Ihrer Königl. Majest. getreu und hold sei, auch allerhöchst derselben Bestes jederzeit suche und Schaden abwende.

            3. allen in seinem Dorfe gegen alte sowohl neue Königl. allergnädigste Verordnungen und sonstige Vorfälle sich fleißig erkundige, dieselben ungesäumt beim Amte angebe und nichts verschweige. Nicht weniger

            5. wenn Missetäter vorhanden, dieselben mit Hilfe der Dorfschaft in Arrest nehme und ans Amt liefere.

            6. Wenn Sterbe- oder andere Fälle sich ereignen, wovon Ihrer Königl. Majest. der Zehnte Pfenning gebührt, solche ungesäumt beim Kirchspiel-Vogt anzeigt, damit nichts veruntreut, bevor der Zehnte entrichtet.

            7. Auf die bei seinem Dorfe befindliche Holzung mit höchstem Fleiß Acht habe, dass davon nichts verhauen [2] werde.

            9. Mit aller Sorgfalt in Acht nehme, dass sich keine fremden Jäger oder Wildschützen einschleichen, und wenn er solche antreffen sollte, solche anhalte und sofort ans Amt liefere.

            11. Nicht zulasse, dass jemand in seinem Dorfe auszäune [3], oder seine Zuschläge [4] vergrößere, vielweniger dass einer eigenmächtigerweise Land aus der gemeinen Weide [5], oder ein Flage [6] Torf-Moor aus dem Königl. reservierten wilden Moor sich anmaße. [7]

            13. die Monatliche Contribution und andere Gelder, so ihm von dem Dorfe einzuheben befohlen werden, zu rechter Zeit von den Eingesessenen ohne einen für den andern darunter zu beschweren und zu verungleichen, einfordere.

            15. Übrigens auch alles dasjenige, was die Vogts-Bedienung weiter erfordert, so hierin nicht specificiret sein möchte, ebenso vollkommen, als wäre es mit ausdrücklichen Worten hierin enthalten, getreulich in Acht nehme, und alles das tue und lasse, was einem Ehrliebenden Vogt geziemet, und sein geleisteter Eid und Pflicht erheischen.

 

[1] Entlassung, Verabschiedung

[2] Bäume umhauen, fällen

[3] Zäune/Grenzen zu seinem Vorteil versetzt

[4] seine Landstücke

[5] Zu dieser Zeit gehörte nur ein Teil der Ellerbeker Feldmark (meist nur die Ackerflächen und der Hausgarten) den Einwohnern. Der Wald (Willhorn) gehörte dem König. Das noch unkultivierte Land wurde von den Einwohnern gemeinschaftlich als Weidefläche genutzt. Da es nicht eingezäunt war, hatte der Dorfhirte ein Auge auf das Vieh. Und der Vogt hatte zu verhindern, dass jemand zu Lasten der gemeinen Weide sein Eigenland vergrößerte.

[6] eine Fläche/ein Stück

[7] Auch die Moore gehörten grundsätzlich dem König. Jedem Bauern wurde jedoch ein Stück zugewiesen, das er dann ausbeuten konnte. Der gestochene Torf diente als Brennmaterial. Er wurde teilweise auch nach Hamburg verkauft. Das Ellerbeker Moor befand sich zu beiden Seiten des Moordamms zwischen Heidkoppelweg und Drosselstraße.

Die gewöhnungsbedürftige Schreib- und Ausdrucksweise ist ein wenig angepasst und gekürzt wiedergegeben.

Unser Landesherr war 1754 König Friedrich V. von Dänemark.

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